Spiel mir das Lied vom Tod…

…vom großen Sterben der Webforen…

In den letzten drei/vier Jahren sprossen in der Terraristikszene die Webforen wie Pilze nach einem warmen Sommerregen aus dem Boden. Nun ist der Sommerregen vorbei.

Es gab viele allgemeine Foren, die auch wirklich jedes Thema behandelt haben. Von speziellen Fragen zu einzelnen Arten bis hin zur Futtertierzucht oder gar Buchbesprechungen. Sicherlich waren diese Foren ein guter erster Anlaufpunkt, um sich mal zu informieren oder auch erste Kontakte herzustellen. Doch merkte man sehr schnell, dass diese Communities an ein paar Nebenwirkungen kränkelten.

Zum Einen die „allumfassende eierlegende Wollmilchsau“.

Meine Oma sagte immer: „wer alles kann, kann nichts richtig“. Man bekam den Eindruck, man hätte es mit Spezialisten zu tun, die jeder für sich entweder Buchautoren, Züchter oder langjährige Herpetologen waren. Wenn man sich dann entschloss, all seinen Mut zusammengenommen hat und dann die erste Frage stellte, haben viele Neulinge in der Terraristik auch die erste Watsche bekommen. „Benutz die Suchfunktion!“. „Was hast Du da gemacht?!“. „Du machst erstmal grundsätzlich alles falsch!“.

Wenn man sich dann in den Profilen ansah, wer einem da so antwortet, merkte man schnell, dass man vermutlich niemals zu den auserkohrenen Elite-Terrianern gehören wird. Denn 14jährige mit einer Beitragszahl von über 2000 Stück belehrten einen bereits, dass man am Besten die Finger von der Terraristik lässt.

Sogar die bis dahin scheinbar funktionierende soziale Kompetenz – selten findet das Leben im Wandschrank statt ;) – wurde auf die Probe gestellt. Als 40jähriger musste man sich schnell Dinge gefallen lassen, die einem so im täglichen realen Leben wohl noch nie passiert sind.

Tja..  und so gehen sie nun dahin..  die Foren mit den 2.000-10.000 registrierten Usern..

Nun werden wieder die kleinen Foren interessant, die mit einer übersichtlichen Zahl von unter 100 Teilnehmern sich auf eine handvoll Themen konzentrieren. Sicherlich, wenn man einen ganzen Zoo zuhause zu betreuen hat, ist einem möglicherweise nicht geholfen sich in 10 verschiedenen Arten-Foren anzumelden. Doch ist das denn nötig?

Warum entstand eigentlich dieser „run“ auf diese Foren?

Ich erinnere mich an meinen ersten Forenbesuch.

„Damals“ vor einigen Jahren benutzte ich die Suchmaschine um mir über die Haltung von Tejus ein paar grundlegende Informationen zu suchen. Es ging mir darum, heraus zufinden, ob diese Tiere in menschlicher Obhut gehalten werden können und wenn ja, wie.

Ich rechnete eigentlich damit, das ich vielleicht eine Buchempfehlung finde, da ich als Dozent in der Erwachsenenbildung gewohnt war, Fachbücher zu verschlingen ;)

Doch landete ich bei dem ersten Eintrag in den Suchergebnissen bei einem Webforum. Hui.. täglich 1200 Beiträge. 8000 angemeldete Benutzer. Das klang schonmal ein wenig nach „da ist was los, da geh ich mal gucken“. Bin ja schließlich ein Mensch..  mit dem dazugehörigen sozialen Gruppenbedürfnis. Es warb für sich das größte deutschsprachige zu sein. Meine Güte, wieviele Menschen sich doch bereits mit der Terraristik beschäftigen…  ich war recht beeindruckt.

Das stöbern durch die einzelnen Unterforen zeigte mir, wieviele verschiedene Tiere denn so in Deutschland in den heimischen Wohnzimmern gehalten werden. Von kleinen Spinnenbecken bis hin zu Großraumterrarien, welche ganze Zimmer füllten. Und überall auch noch Anleitungen, Tipps und Hinweise.

Meine ursprüngliche Suche nach einem Fachbuch war dann vergessen. Ich laß mir die Beiträge durch und bekam den Eindruck, es seien wirklich erstklassige Fachautoren am Werk. Und ich begann zu vertrauen, dass diese Beiträge, welchen auch ordentlich Beifall gezollt wurde, von weiteren Autoren Korrektur gelesen wurden. Ich entschloss mich eine Registrierung zu wagen.

„Man ist unter Freunden…“ so der Eindruck, der sich mir eröffnete. Ich traute mich selber ein paar noch nicht behandelte Fragen zu stellen. Bekam recht schnell auch antworten.

Klasse – scheint zu funktionieren. Zukünftig, als jemand, der mit dem Internet gewachsen ist und noch das Usenet kennt, stellte ich die Fragen so, dass man die hinterher in die -wie ich es gewohnt war- FAQ einpflegen kann.

Ich kaufte mir trotzdem zur Sicherheit ein Buch ;)

Dennoch, ich begann mich zu engagieren. Ich schrieb meine eigenen Erfahrungen nieder. Durch Wortwahl und Recherche wurden diese Artikel auch recht hoch bewertet, so dass man mir bald einen Posten als Moderator angeboten hatte. Doch nach und nach merkte ich, dass meine ursprüngliche Motivation verschoben wurde und nur noch mein Sendungsbewusstsein sich angesprochen fühlte.

Wärend dieser Zeit -ich spreche hier von einem Zeitraum von 10 Monaten der inzwischen verging- erlebte ich eine Menge Vorfälle, die mich dann doch etwas erschüttert haben. Streitereien über Ansichten, grundlegende Haltungsparameter, Feindschaften und gar Mobbing wurden zu täglichen Ereignissen, die meine Aufenthalte in diesen Foren begleiteten. Zum Teil wurde mit Benutzern in einer recht unappetitlichen Weise umgegangen, welches bis hin zum Strafbestand „Verleumdung“, „Beleidigung“, „Rufmord“ und „Stalken“ reichte. Die Anonymität aus der Gruppe heraus und geografische „Unerreichbarkeit“ ermöglichten, was in der Nettiquette des Usenets immer wieder warnend hervorgehoben wurde. Aus kleinen Mißverständnissen ergaben sich Forenübergreifende persönliche Kriege.

Durch diese Erlebnisse stellte ich nach einiger Zeit meine Aktivitäten doch wieder ein.

Ein Versuch, mich zu besinnen warum ich jemals diesem „Irrenhaus“ beigetreten bin endete peinlicherweise darin, dass ich doch tatsächlich dachte, ich könne mir das Geld für Bücher sparen und durch ein paar Kontakte „billig“ an Material oder „gebrauchtes Zeug“ kommen. Das ich mich gerne in Gemeinschaften aufhalte war nur das Transportmittel. Die Lust an der Vorstellung meiner gehaltenen Tiere floß da auch noch mit rein.

Mal ganz abgesehen von echt gefährlichen Empfehlungen, welche unkommentiert über Wochen erhalten blieben, kehrte ich dann diesen allgemeinen Foren wieder den Rücken.

Bei meiner täglichen brotbringenden Arbeit stelle ich immer wieder fest, welches gefährliche Potential das Internet hat. Ungeprüft werden Märchen weitergetragen und der Ahnungslose glaubt diese auch noch ohne Vergleiche aufzustellen. Möglicherweise sind auch diese Ahnungslosen dem Trieb unterlegen, sich die Bücher zu sparen oder mal den Tierarzt um Rat zu fragen, wer weiß?

Letztlich beschmunzel‘ ich aktuell die krampfhaften Bemühungen um Spendengelder zur Deckung der Kosten, wenn die Forenbetreiber dachten, sie könnten damit ihr Geld verdienen, ohne sich um eine vernünftige Infrastruktur zu kümmern.

Ein kleines spezialisiertes Forum für eine Tierart verursacht bei m Betreiber einer Webseite keine zusätzlichen Kosten. Eine Infrastruktur und vor allem die Wahrung der persönlichen Grundrechte z.B. adäquates Verhalten dem Gegenüber braucht nur etwas Arbeit und eine gute Kinderstube. Diese überlegt man sich besser vorher, genau wie die Terraristik selber, anstatt mit teurer Bannerwerbung versuchen, sich seine Traumschlösser zu bauen ;)

Deswegen behaupte ich einfach mal, besorg‘ Dir lieber gleich ein ordentliches Buch!

Das war das Wort zum Sonntag ;)

Andreas

Varanus niloticus – Beckenbau in der heißen Phase (Teil 6)

Nun ist der Beckenbau in der heißen Phase.
Jeden Tag kommt etwas dazu.
Das Glas, die erste Schicht Isolierung, damit das Wasser nicht in die Wand steigt,

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dann die erste Schicht Flexkleber,

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ein paar Äste,

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zweite Schicht..

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Tipp am Rande: Flexkleber basiert auf Zement. Zement baut mit Wasser eine kristalliere Struktur auf. Deswegen härten, nicht trocknen ;)

Varanus niloticus – Spottpreistier mit Ansprüchen (Teil 3)

Neben dem Steppenwaran ist auch der Nilwaran ein Tier zum Spottpreis!

In der Terraristik haben wir es immer wieder mit Tieren zu tun, die aus bestimmten Gründen für einen Spottpreis zu bekommen sind.

Die Idee..

2007/2008 kamen zum Beispiel über 900 Nilwarane nach Europa, welche zu einem Preis zwischen 50,- bis 90,- EUR verkauft wurden. In der Regel waren es Wildfänge oder Farmzuchten (Rangingformat) was die eigentlichen niederen Preis begründete.

Selten wurden die Halter darüber aufgeklärt, um was es sich da eigentlich handelt, denn die Tiere waren bis zum Jahreswechsel 2008/2009 alle verkauft.

... der Probeaufbau...

Aktuell gibt es folgerichtig eine große Abgabequote, da die Tiere tatsächlich so groß werden, wie in den Büchern *) beschrieben.

... der Probeaufbau...

Wir haben bei uns einen Nilwaran, der in diesem Falle nicht aus Gründen der Unbedachtheit sondern derer aus höherer Gewalt (was passiert, wenn man arbeitlos wird und das geplante Becken nicht mehr gebaut werden kann?!) im Quarantäneraum sitzen. Für diesen Burschen haben wir nun ein artgerechtes Becken gebaut, was diese kleine Fotostrecke dokumentieren soll.

Vorweg noch ein paar Einzelheiten zum Nilwaran:

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Nilwarane stammen aus Afrika. Man unterscheidet 3 Formen: den Varanus niloticus, den Varanus niloticus niloticus und den

Varanus niloticus ornatus (DAUDIN 1803). Sie unterscheiden sich eigentlich durch die Art der Zeichnung.

Ob die Unterarten auch auf die Größe Auswirkungen haben, ist noch nicht gänzlich erforscht. Letztlich werden Nilwarane „gewöhnlich“ wenigstens 150cm lang.

Das größte gesichtete Exemplar allerdings 250cm! Bei dieser Länge kommen die Tiere auf beachtliche 30Kg (HAACKE & GROVES 1995).

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Der Nilwaran lebt meist in der Nähe permanent wasserführenden Gewässern, wie Flüssen, Seen oder größeren Sumpfgebieten. Sie sind hervorragende Schwimmer und halten sich gerne im dichten Uferbewuchs oder im Geäst über der Wasseroberfläche auf.

Bei diesen Angaben aus dem Buch „Faszination Warane“ (Kirchner & Seufzer Verlag) sollte einem eigentlich klar werden, das diesen Waranen nicht mit einem kleinen Terrarium und eine Katzenklo als Wasserteil gedient ist. Sie wollen nicht „baden“. Sie wollen schwimmen!

nilwaran-2009-07-04Die Mindestgröße für zwei adulte Exemplare ist mit mindestens 400 x 200 x 200cm angegeben. Unserer Meinung noch zu wenig, um die Tiere agil und halbwegs charaktertreu zu beobachten. Abgesehen davon sind Reptilien Einzelgänger, was eine Paarhaltung nicht zwingend erforderlich macht.

Aus diesem Grunde, also dass dieser Waran durchaus gehobene Ansprüche an die Haltung hat haben wir uns entschlossen ein Becken zu bauen, was zumindest für die kommenden 20 Monate ausreichend sein könnte, ihm eine artgerechte Unterbringung zu ermöglichen und zukünftigen Haltern eine Idee davon zu geben, was die Faszination an der Haltung eines Nilwarans eigentlich ausmacht.

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Es gibts wirklich bei weitem nichts schöneres in der Terraristik, als Waranen beim Schwimmen und Tauchen zuzuschauen ;)

Im weiteren die Fotostrecke der ersten beiden Bauabschnitte:

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